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01.08.2012: Segelflug zum Ankogel in den Hohen Tauern, mein erster 600er, 634km, 9:00 Flugzeit, spannender Rückflug.

2 Monate kein Streckenflugwetter, und heute ein Thermik-Traumtag angesagt: kein Wind, Wolkenbasen bis 3500m (Wolken beginnen erst ab 3500m), keine Gewitter, keine Abschattungen, und das über ganz Österreich. Ich rechne nach einer derart langen Pause im Sommer mit starkem Betrieb am Flugplatz. Ich möchte heute meinen ersten 600er versuchen. Thermik ist von 10:00 bis 18:00 angesagt. Ich plane um 10:30 zu starten. Wind gibt es nicht, d.h. zu Thermikende um 18:00 muss ich im Endanflug bei der Veitsch sein. Ich denke mir, am wahrscheinlichsten wird eine Aussenlandung im Endanflug, sollte die Thermik nicht mehr ausreichen, um nach Hause zu kommen. Um 6:00 stehe ich auf und fahre zum Bäcker in Brunn, um Früstück zu kaufen. Nachdem ich den momentanen Zustand meiner Landewiesen im Einzugsgebiet Wiener Neustadt nicht kenne, mache ich noch eine halbe Stunde eine kleine Besichtigungstour mit dem Auto. Die wichtigsten 2 sind gemäht, hervorragend, wie eine Graspiste am Flugplatz und ausreichend lange

Um 8:00 sind Markus und ich die ersten beiden Piloten am Flugplatz, wir räumen gleich die Segelflieger aus, Markus den Duo-Discus, ich die F4-LS4, und bilden die erste Startreihe. Wie erwartet rollen in den nächsten 2 Stunden etliche Flugzeuge zur Startstelle. So viel ist ja normalerweise nicht einmal an einem schönen Wochenendtag los, man sieht ganz deutlich bei den Piloten die Sucht nach wieder einmal Fliegen nach dieser langen Pause. Es ist 9:00, die ersten Thermik-Cumulus-Wolken steigen schon früher als erwartet über dem Schneeberg auf. Unter der Woche muss man glücklich sein, wenn man zumindest eine einzige Schleppmaschine hat. Aber heute sind bereits 3 Schleppmaschinen da, aber keine ist noch einsatzbereit :-). Es gibt das erste Problem, die Resource Tankestelle gibt es nur 1x. Zwei Schleppmaschinen stehen in der Tank-Warteschlage, eine Schleppmaschine hat noch keinen Piloten. Es ist 9:30, die ersten Cumulus-Blasen steigen über der Hohen Wand in gigantische Höhen, am Schneeberg ist die Basis bereits 200-300m über Gipfelniveau, die Thermik hat eingesetzt und hier am Boden geht nichts weiter. Um 10:00 kommt dann die erste Schleppmaschine. Markus startet als erster. Die 2. Schleppmaschine ist da und arbeitet die 2. Startreihe ab. Die erste Schleppmaschine kommt zurück, ich bin der nächste. Ich bin startfertig, 30Grad im Cockpit, mir rinnt der Schweiß runter, und es passiert nichts. Das Funkgerät der Schleppmaschine ist ausgefallen, so ein Schitt. Ich habe ein eigenes Handfunkgerät mit dabei, ich hab es ja schon mehrmals erlebt, dass Funkgeräte ausfallen. Ich borge meines dem Schlepppiloten. Endlich, los gehts, 10:30, wie nach Plan, passt.

Der Start auf der Hohen Wand erweist sich als etwas zäh, anfangs nur 0.5-1m/s, Basis auf 1800m, weiter zum Hengst. Und da steigt es gleich mal gewaltig, erster 3-4m Bart ohne Wind gerade hoch. Es entwickelt sich ein Bilderbuch Thermiktag. Einzig die Basishöhen im Turnauer Becken und im Bereich der Eisenerzer Alpen halten sich unerlaubterweise nicht an die Prognosen :-) und sind etwas niedrig, doch es geht überall recht verlässlich. In den Niederen Tauern steigt dann die Basis von 2400m auf 3000m an, später Richtung Westen auf 3200m an. Traumhaft. Die Blicke auf die Tauern-Gipfel und auf Grimming, Dachstein, Tennengebirge, Hochkönig auf der Norseite des Ennstales sind beeindruckend. Am Hochgolling (höchster Berg der Niederen Tauern mit 2862m, ich war schon oben) fliege ich am Gipfelkreuz vorbei, ein paar Bergsteiger winken. Beim Überflug der Klafferkessel-Seen und der Giglachseen bewundere ich diese herrliche Landschaft. Ich verschaue mich ein wenig in die Giglachseen und komme kurz einmal etwas tiefer auf unter Gipfel bei der Lungauer Kalkspitze. 2x den Grat entlang und ich bin wieder auf Gipfelniveau. Einige Bergsteiger sind am Gipfel, ich direkt daneben. Ich ziehe ein paar Kreise direkt über dem Gipfelkreuz und kann wieder auf 3000m steigen. Ich fliege über Obertauern über die Tauernautobahn weiter zum Mosermandl bis querab zum Ankogel in den Hohen Tauern. Der Tauern Hauptalpenkamm vor mir, toller Blick bis zum Großglockner, leider auf den Gipfeln aufliegende Wolkenbasis, d.h. die Hohe-Tauern-Linie geht derzeit nicht. Und direkt Richtung Zell am See keine Wolkenbildung mehr. Was nun? Markus und Walter haben umgedreht, zu ungewiss. Nachdem ich heute mein 600er Vorhaben möglichst keinen Risken aussetzen möchte, wende ich auch und entschließe mich, dass Ennstal 2x zu fliegen.

Ich fliege zurück zum Ostende der Niederen Tauern, wende und fliege wieder Richtung Westen. Jetzt kommts drauf an, ich muss soweit Richtung Westen, sodass sich meine 600km ausgehen, und das ganze muss sich noch so ausgehen, dass ich um 18:00 wieder bei der Veitsch bin. Um 16:00 bin ich wieder beim Ankogel, 390km geflogen, 230km von Wr. Neustadt enfernt, 2 Stunden Zeit für 150km bis zur Veitsch, das wird knapp, sollte sich jedoch ausgehen, wenn ich keine Fehler mache. Ich mache nocheinmal Maximalhöhe und wende querab vom Ankogel bei St. Johann im Pongau in 3200m um 16:05. Die Niederen Tauern gehen wieder problemlos. Im Liesing Palten Tal macht sich die dann bereits die nachlassende Thermik bemerkbar. Die Wolkenentwicklung auf der Standardroute lässt stark nach. Ich versuche über die höheren Berge, Hochtor und Lugauer zu fliegen, dort ist die Wolkenentwicklung besser, allerdings darf man dort keine Fehler machen, sonst ist man in fast total unlandbarem Gebiet eingesperrt. Auch diese Route geht leider nicht wie erwartet, Steigwerte nur mehr mit ca. 1m/s. Den Präbichl und Timmersdorf habe ich stets am PDA aufgeschalten und kontrolliere laufend meine Höhe, um mich hier ja nicht einzusperren. Am Präbichl komme ich beim Polster und Hochturm etwas über Gipfelniveau an. Im Hausbart vom Hochturm steige ich langsam aber doch auf 2400m. Flugplätze Turnau und Kapfenberg in sicherer Reichweite.

Die Zeit wird langsam knapp. Um 17:45 fliege ich die Messnerin an, normalerweise eine Bank. Doch gerade heute nicht, da geht nichts. Funk an (den hatte ich ausgeschalten um Battarie zu sparen). Ich rufte Markus, der ja sicher noch in der Luft sein sollte. So ist es :-), Markus ist kurz vor mir am Hochschwab und meldet 1m/s Steigen südlich Trawiessattel am Hochschwab. Dank an dieser Stelle an Markus für alle Infos während des Fluges! Er fliegt in 2200m ab zur Aflenzer Bürgeralm, dort 0.5-1m Steigen. Ich folge, jedoch am Hochschwab steige ich nicht :-). Weiter zur Aflenzer Bürgeralm. Es ist 18:00, vorhergesagtes Thermik Ende. Ich bin auf der Bürgeralm auf 2000m und kann gerade einmal Höhe halten, von Steigen keine Rede. So ein Schitt denke ich mir, einmal aufkurbeln und ich bin zu Hause mit meinem ersten 600er, und jetzt scheitert das Projekt an gerade mal 10-15min, schitt Thermikschluss 18:00 wie prognostiziert. Falsche Gedanken, diese Gedanken bringen dich nicht höher. Jetzt voll aufs Kurbeln konzentrieren und das letzte rausholen. Markus meldet nun Steigen 0.5m/s am Rauschkogel. Ich denke mir, wenn er 0.5m/s mit einem Doppelsitzer auskurbelt, dann muss doch ich zumindest in der Lage sein, mit meiner LS4 zu steigen, muss eine Kopfsache sein, Konzentration. Und tatsächlich, ich komme langsam höher von 2000m auf 2250m. Auf der Veitsch bricht die letzte Thermikwolke zusammen. Weiter zum Rauschkogel vor der Veitsch, dort gibt es zumindest noch eine Kondenz. Ich komme dort auf 2050m an. Doch nun kein Steigen mehr. Minus 50m auf Wiener Neustadt bei einer 40er Bestgleitzahl meines Segelfliegers, der fliegt mit diesen Mücken an den Tragflächen noch dazu jedoch maximal eine Gleitzahl von 30-32. Also zu wenig Höhe um nach Hause zu kommen. Mit mir kommen zwei 18m Ventus-Segelflieger an, wir kurbeln gemeinsam. Die beiden beginnen leicht zu steigen, mein Flarm zeigt deren Steigwerte mit 0.2-0.3m/s. Ich denke mir, die haben zwar die besseren Flieger, aber wenn die das können, dann kann ich das auch, Konzentration ist angesagt. Ich erreiche 2200m um 18:20. Die Kondenz über uns löst sich auf, keine Thermik mehr an dieser Stelle. Na immerhin leichtes Plus auf Neustadt, erforderliche Gleitzahl 34. Und ich hab ja noch als Alternative meine in der Früh besichtigten Landewiesen. Ich fliege ab. Dieser Endanflug wird nun sehr spannend.

Gleitzahl 45, super! Talquerung zur Schneealm, Gleitzahl 25, na ja, wird sich schon bessern. Schneealm 1900m, Gleitzahlen um die 30, zu wenig. Anflug Rax Heukuppe, diese steht in voller Sonne, sollte zumindest das doch die Gleitzahl erhöhen. Ankunft Rax Heukuppe in 1700m, tief, der Gipfel weit ober mir. Was ist das, Gleitzahl 20, vor der Heukuppe in vollem Sonnenschein? Gibts doch nicht? Das geht sich nie und nimmer aus, bin ich in einem Lee? Ich erinnere mich, dass die Windprognose für den Abend leichter SO in unserem Gebiet war, ich bin auf der SW-Seite, also mit Speed schnell um die Kurve auf die SO-Seite. Da kommt dann noch die Materialseilbahn vom Karl Ludwighaus. Keine Chance die Seile zu finden, ich fliege weg vom Hang, um kein Risiko mit den Seilen einzugehen. Ich bin ziemlich unter Hangkante auf 1500m beim Karl Ludwighaus. Die Preiner Wand ist in voller Sonne. Anflug. Es steigt nicht, 1450m, denk nach, die Preiner Wand ist ja zuerst SW, ich brauche SO, also vor auf die SO-Seite der Wand, dort ist allerdings Schatten, trotzdem probieren, vielleicht kommt der SO. Und siehe da, es beginnt mit 0.1-0.5m/s total laminar zu steigen :-), yeah! Ich taste mich immer näher zur Wand, um das Steigen zu verbessern, stets darauf achtend im Falle von dennoch auftretender Turbulenz gleich abzudrehen. Doch alles ist total laminar. Ich bin im 0.5m/s Steigflug ca. 100m unter der Rax-Gondel-Bergstation, ich beginne zu Achtern. Starkes Gegenlicht, ich sehe kaum noch Felsvorsprünge, also weg vom Hang, das ist zu gefährlich. Richtung Preiner Wand habe ich Gegenlicht, da kann ich daher entfernt vom Hang gerade mal Höhe halten, doch Richtung Gondel-Bergstation habe ich Rückenlicht, sehe jedes Detail, kann ganz zum Hang fliegen und steige mit 0.5m/s. Mit diesem Achtern komme ich 100m über Hangkante auf 1650m bei der Gondel, Ankunftshöhe auf Wr. Neustadt im Plus. Wenn jetzt alles normal abläuft bin ich daheim :-)! Die SW-Seite des Gahns steht in voller Sonne, ich fliege sie an, es steigt leicht mit 0.5m/s auf 1650m. Das reicht jetzt, ich bin etwas über Hang, der Gahns verbessert meine Gleitzahl auf ca. 60, so wie sich das gehört. Ich habe nun auch noch genug Höhe, um die Hohe Wand anzufliegen. Dort fliegen ein paar Paragleiter bei leichtem SO in der Abendthermik. Ich kann Höhe halten und fliege noch ein paar Mal die Hohe Wand auf und ab und genieße die letzten Sonnenstrahlen. Mein PDA sagt 617km auf der Hohen Wand. Geschafft. Nochmal Konzentration bei der Landung, das wars. Ein spannender wunderbarer Flugtag endet als mein erster 600er nach tollem Abendsoaren auf der Hohen Wand vor Sunset wieder in Wiener Neustadt.
Galerie

(1) 2012 08 01 Ankogel erster 600er
(2) Schneegberg
(3) Rax
(4) Schneealm
(5) Anflug Veitsch
(6) Schiessling und Hochanger
(7) Hochschwab
(8) Messnerin
(9) Groessere Cumulus
(10) Hochturm
(11) Eisenerzer Reichenstein
(12) Anflug Zeiritzkampel
(13) Anflug Admonter Reichenstein
(14) Admonter Reichenstein
(15) Querung Niedere Tauern mit Blick Grimming Dachstein
(16) Einflug Niedere Tauern
(17) Leicht tuermende Cumulus
(18) Blick auf Grimming
(19) Blick auf Dachstein
(20) Leichtes Uebersteigen der Basis in den Niederen Tauern
(21) Tiefere Basis Suedseite Niedere Tauern
(22) Hochwildstelle
(23) Blick auf Hochgolling
(24) Blick auf Klafferkessel
(25) Anflug Hochgolling
(26) Vorbeiflug Hochgolling Gipfel
(27) Paragleiter auf ueber 3500m neben Cumulus
(28) Giglachseen
(29) Blick auf Grossglockner bei Obertauern
(30) Obertauern
(31) Blick auf Ankogel in den Hohen Tauern
(32) Rueckblick auf Dachstein
(33) Blick auf Hagengebirge und Tennengebirge
(34) Blick auf Hochkoenig
(35) Tauernautobahn und Tauerntunnel
(36) Rechts Mosermandl suedlich Tauernautobahn
(37) Blick auf Grossglockner
(38) Hochalmspitze und Ankogel in den Hohen Tauern
(39) Umkehrpunkt querab vom Ankogel
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