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Lehrreicher Trainings-Föhn-Wellenflug mit vorzeitiger Rückkehr wegen grenzwertigem Starkwind.

26.09.2012 - Südföhn ist angesagt, bis 5000ft S, drehend auf 10000ft auf SW, im Osten lebhaft bis kräftig, im Westen stürmisch. Dazu hohe Schichtwolken, also Abschattung und somit keine Thermik, beste Voraussetzungen für Wellenbildung. Ich bin um ca. 7:00 am Flugplatz und zu meiner Überraschung, die einzigen Kollegem am Platz sind Herbert P. und Ernst S. Normalerweise sind Südföhntage stark besetzt. Ernst kann leider aufgrund eines Schadens am Flieger nicht starten. Er bringt mich und Herbert hinaus zum Start. Am Weg hinaus diskutiere ich mit diesen beiden Profis den heutigen Tag und Möglichkeiten wegzukommen, d.h. den Weg vom Flugplatz zum Gahns und zur Rax, das ist ohne Thermik nur mit Wind immer sehr spannend und trickreich. Einen Bericht von Herbert, man fliege z.B. bis 50-100m an die Schneebergwände heran und lasse sich einfach vom Leerotor direkt an der Wand hochziehen, er hat das schon mehrmals ausprobiert :-), nehme ich spannend auf, ist jedoch mit meiner Erfahrung erstmal nichts für mich. Ernst meint, da der Wind sehr westlich zu sein scheint, würde er ins Sierningtal schleppen und dort auf eine West Welle vom Gahns spekulieren, wenn nicht, dann weiter vor auf die SW Seite des Gahns und im Hang versuchen.

Herbert P. hat ein kleines Problem mit dem Motor, ich bin wie üblich mit der LS4 (motorlos) unterwegs. Herbert und ich sind also auf Flugzeugschlepp angewiesen. Ernst gibt uns Starthilfe beim Flugzeugschlepp. Ich lasse mich also ins Sierningtal schleppen, und siehe da, die Idee von Ernst funktioniert! Bereits ein wenig vor dem Gösing bemerke ich noch im Schlepp einen Welleneinstieg. Der Wind hat ca. 50km/h, kommt wirklich sehr westlich, damit scheidet SO-Hangfliegen auf der Rennstrecke vorzeigit aus. Ich beschließe, diesen Tag also für ein Wellen-Trainingsfliegen zu nutzen. Ich mache Höhe über 2200m und fliege vor zum Gahns auf die SW-Seite. Dort ist es ziemlich turbulent, nach einiger Zeit merke ich, dass auch eine Welle am Werk sein muss, so hoch geht kein Hangwind. Ich erreiche ca. 2300m und versuche, auf die SW-Seite der Rax vorzufliegen. Über der Rax SO Kante dann ein Mega Sinken, aha, woher das? Ich breche ab und fliege zurück zum Gahns. Der Wind ist also bereits so westlich, dass die gesamte SO Seite der Rax ein Lee ist! Am Gahns angelangt gehts nur nach unten, die Welle zuvor zerstört den ganzen Hangwind. Wo ich zuerst gestiegen bin, jetzt nur starke Turbulenzen und starkes Sinken, Rückzug. Meine Annahme bestätigt sich, der Wind ist WSW, der gesamte Gahns ist am Rückflug ein riesen großes Lee, der Rückflug dementsprechend eine Achterbahn-Sinkpartie, das Vario auf -5m im Anschlag, so keine Chance Wr. Neustadt zu erreichen. Ich besinne mich auf die Worte von Hermann T., wenns sauft, ist gut, dann sieht man, dass das System funktioniert, genau in Windrichtung mit dem Wind mitschwimmen direkt in die Welle hinein, so die Empfehlung :-). Ok, so also mein Plan, ich fliege nun direkt ins Gahns Lee und halte auf den Gösing zu, plötzlich Fetzen Turbulenzen, es fliegen die nicht befestigten Teile im Flieger herum, ich bin auf der Luvseite des Rotors der Gahns W-Welle vor dem Gösing angekommen, es steigt, zwar wie in der Achterbahn, aber es steigt! Ok, also alles wieder beim alten, Ausklinkpunkt Gösing erreicht :-).

Ich erreiche wieder ca. 2300m und fliege diesmal vor Richtung W-Seite vom Gahns zum Krummbachstein. Ich erwarte mir ein Luv, Aufwind, doch was finde ich vor, Sinken, Vario -5m auf Anschlag, der Flieger geht fast am Stand runter. Ok, Rückzug. Ich denke mir, ich habe genug Höhe, um über den Hengst ins Schneeberg-Lee zu fliegen, vielleicht komme ich dort hinauf, sonst Rückzug zur SW-Seite Hohe Wand. Ich fliege also über den Krummbachsattel Richtung Hengst, der Lee-Downdrift setzt voll ein, wieder Vario -5m auf Anschlag, meine Gedanken wieder bei Hermanns Worten, super, das zeigt, dass das System funktioniert. Und wieder wie zuvor, Fetzen Turbulenzen, rauf runter, Rotor, Steigen auf der NW Seite vom Hengst :-), juhu! Und diesmal so wirklich volles Steigen, Vario +5m auf Anschlag, ab ca. 2000m laminar, turbulenzfrei. In Kürze bin ich auf 2500m und erbitte eine Freigabe zum Steigen im kontrollierten Luftraum über mir, leider ohne Transponder nicht möglich - lieber Flugring, ich hätte bitte gerne einen Transponder :-)!

Ich will die Welle im Höllental finden. Ausgehend vom Hengst starte ich nun mehrere Versuche über den Schneeberg oder über den Krummbachsattel ins Höllental. Die ersten 3 schlagen gleich mal total fehl. Auf dem Weg ins Höllental verliere ich so in etwa immer 500-600Hm, unglaublich. Ich fliege wieder in die Welle am Hengst, und frage mich, warum das im Höllental nicht geht. Ich denke wieder an Hermanns Worte, 360Grad genau gegen den Wind durchs Saufen durch, nicht 359Grad, 360Grad! Ok, ich versuche also ganz genau die Windrichtung zu bestimmen. Im Kreisen beobachte ich exakt meine Groundspeed und sehe, das Minimum ist genau Richtung Rax Sender. Na gut, dann genau dort hin. Ich erwarte mir Rotor-Aufwind im Höllental vor der Rax-Seilbahn. Über dem Höllental ist das Sinken wie gehabt ein Hammer. Ich bin schon fast beim Rax Sender, und es sinkt noch mehr? Gibts doch nicht, wo steigts auf? Ok, das Sinken wird mehr, und meine Höhe und meine Nerven machen das nicht mehr lange mit. Aber wenns stärker wird, kommt bald der Up-Beam. Eine Chance geb ich dem noch, ich bin auf 2000m, ich geb dem ganzen noch 100m, dann ist aus. 1900m halte ich für absolutes Minimum im Hinblick auf das riesen Gahns Lee hinter mir. Krass, ich komme am Rax-Sender an und es geht die Post nach oben ab! Wieso hier, wieso? Die Luft muss doch ins Höllental fallen und dann aufsteigen? Ich versuche wieder die genaue Windrichtung zu bestimmen. Ah, der Wind kommt WSW direkt über die Rax drüber, fällt direkt von der Scheibwaldhöhe herunter, und steigt beim Sender auf. Das erklärt auch, warum die gesamte Rax SO-Seite ein einziges Sink-Lee ist. Endlich im Luftraum 3800m, ich kann nun steigen!

Nun wird der Flug sehr entspannt. Ich erreiche teils über 3500m und fliege nun immer im laminaren Bereich der Wellen, also ruhig und turbulenzfrei. Mit solcher Höhe kann ich nun bequem die Wellensysteme vor mir beobachten und eines nach dem anderen anfliegen. Vor mir auf der SW-Seite der Rax beginnt es zu kondensieren, es bilden sich Rotorwolken. Es entwickelt sich ein Naturschauspiel, ich sehe nun, warum Wellen Hangwinde zerstören können. Die Schneealm wirft eine Welle, die genau vor der Rax SW-Seite aufsteigt. Die Rotoren drehen sich vom Tal genau an der SW-Hangkante zur Heukuppe, dem Rax-Gipfel, hinauf. Ist man im Rotor Luv, steigts, im Rotor-Lee an der Hangkante, dort gehts bergab! So schnell kann eine Welle also ein Luv in ein Lee umwandeln, unglaublich. Da ich nun die kondensierten Rotoren sehe, fliege ich deren Luvseite an, wo es steigt. Gleiches Schauspiel zwischen Veitsch und Schneealm, hier gibt es sogar eine erste und eine zweite Welle. Die Rotoren der zweiten Welle wirbeln an der SW-Seite der Schneealm hoch. Ich komme in der ersten Veitsch-Welle bei Mürzsteg an. Gleiches Spiel, Luv-Seite der kondensierenden Rotoren, Steigen, weiter ins Hochschwab-Lee. Am Hochschwab bei den Aflenzer Staritzen kondensiert es immer wieder auf verschiedenen Stellen, aber niergends ein gutes Steigen. Ich kann gerade mal 100m auf 3100m machen. Ich entschließe mich zum Rückflug.

Mitlerweile hat der Wind ziemlich aufgefrischt. Ups, 250km/h Groundspeed bei 150km/h Flugspeed, also 100km/h Rückenwind. Ich erinnere mich an Hermanns Worte, dass solche Windgeschwindigkeiten grenzwertig sind. Unmittelbar danach fliege ich durch Rotoren durch, was dies bestätigt, ich kann nur schaun, den Flieger halbwegs gerade zu halten, kurzfristig nicht wirklich steuerbar. Ich beschließe daher nach Wiener Neustadt zur Landung zu fliegen. Der Wind kommt jetzt meines Erachtens mehr aus SW als aus WSW. Ich fliege an der Rax vorbei über das Preiner Gscheid, Mega Sinken, ich stelle mir vor, dass das Preiner Gscheid nun eine Welle entlang der Rax wirft. Ich bin im Flug entlang der Rax-SO-Seite und halte meiner Idee der Preiner Gscheid Welle zufolge auf den vorgelagerten Gipfel der Rax-Seilbahn, den Sängerkogel zu. Und wirklich, kurz davor, ein Starkes steigen. Ich blicke hinüber zur Raxseilbahn, was ist das? Ich fliege rückwärts! Nach meinem Hochziehen im Steigen, 90 km/h Flightspeed, -10km/h Groundspeed retour, krass, sehr krass. Das bestätigt meine Entscheidung zur Landung. Am Rückflug nehme ich nochmals die Gösing-Welle mit, dort steige ich nach einer Kurve gegen den Wind am Stand hoch. Richtung Flugplatz dann eine turbulente Achterbahnfahrt sondergleichen. Herbert hat sich auch aufgrund des starken Windes entschlossen zu landen, er folgt hinter mir. Ich melde mich zur Landung beim Militär an, der Controller sagt mir ca. 50km/h Wind, Spitzen bis 60km/h, starke Turbulenzen im Anflug. Na Klasse, mehr brauch ich nicht. Zugegeben spüre ich ganz schön meinen Pulsschlag, bei solchen Bedingungen bin ich noch nie gelandet. Ich erinnere mich an meinen Trainingsflug mit Hermann, wo wir eine hohe Landeeinteilung mit ausreichend Überfahrt zwecks Höhen- und Speedreserve bei starkem Gegenwind trainiert haben. Genau das mache ich jetzt, ich fliege hoch weg, mit Bremsklappen und bei diesem Gegenwind bringt man die Höhe dreimal weg. Anflug mit 140-150km/h, heftige Turbulenzen im langen Endanflug. Ich brauche kaum Bremsklappen, obwohl ich so hoch bin, so wenig Groundspeed habe ich. Volle Konzentration auf die Landung, die Turbulenzen nehmen kurz vor dem Boden glücklicherweise ab. Ich kann voll ausschweben und setzte sanft auf. Man stelle sich so einen Anflug in einer Aussenlandesituation in einem Tal vor, no Chance. Dazu kann ich nur nochmals Hermanns Hinweis widergeben, Aussenlanden beim Wellenfliegen ist tabu.

Ein sehr lehrreicher Tag, der mir viele neue Erkenntnisse brachte, aber auch neue Grenzen gezeigt hat. Dank an Ernst und Herbert für die Gespräche und Infos und an Ernst für die Starthilfe. Dank wiederholt an Hermann für die solide Vermittlung sämtlicher Grundlagen des Wellenflugs, Dank an Gerhard, der mir gestern Abend noch geholfen hat, meinen Flieger von ganz hinten in der Halle ganz nach vor zu bekommen, und Dank an Veronika für das entspannte Mittagessen nach dem Flug!
Galerie

(1) Flug
(2) Steigen in der Gahns WSW-Welle beim Goesing
(3) In Welle vom Preiner Gscheid und Saengerkogel beim Gahns
(4) In der Welle der Scheibwaldhoehe ueber Rax Sender
(5) Rotorwolke
(6) Wellenrotorwolken zwischen Schneealm und Rax
(7) Rotor vor der Schneealm zweite Welle der Veitsch
(8) Rotoren bei der Scheealm - zweite Veitschwelle
(9) Rotor
(10) Rotorwolken
(11) WSW Rotoren ziehen ueber Schneealm
(12) Lentis - Hohe Wellenwolken
(13) Ueber den Rotorwolken bei der Schneealm
(14) Ueber den Rotorwolken bei der Schneealm
(15) Ueber den Rotorwolken bei der Schneealm
(16) Beeindruckender Tiefblick auf die Schneealm
(17) Westlich Schneealm in zweiter Welle der Veitsch
(18) In erster Veitsch Welle ONO der Veitsch
(19) Steigen fuer Vorflug ins Hochschwab Lee
(20) Im Hochschwab Lee
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